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In die Sonne schauen“: Was ein rätselhafter Film über generationsübergreifende Traumata lehrt

    Sonntagabend im Zeise-Kino in Hamburg Ottensen.

    Die Lichter gehen aus, es wird still.

    Ich lehne mich zurück, noch ahnungslos, dass ich gleich in eine Geschichte hineingezogen werde, die mir Tage später nicht mehr aus dem Kopf geht.

    In die Sonne schauen– dieser Film hat mir gezeigt, wie laut das Schweigen von Familien über Generationen hinweg sein kann.

    Vielleicht kennst du das: Du siehst etwas, das dich eigentlich gar nicht direkt betrifft – aber innerlich fühlst du, dass es auch mit dir zu tun hat.

    Genau so ging es mir an diesem Abend.

    Es war kein normaler Film, keine leichte Unterhaltung.

    Es war, als würde mir die Leinwand zuflüstern: „Schau hin. Auch dort, wo du sonst lieber wegsehen würdest.“

    Was das bedeutet, verrate ich dir gleich.

    Doch lass uns erst einen Blick darauf werfen, worum es in diesem rätselhaften Film überhaupt geht …

    Worum geht es in „In die Sonne schauen“?

    Vier Generationen, ein Hof, ein Jahrhundert.

    Schon das klingt nach einem klassischen Familiendrama.

    Aber In die Sonne schauen ist kein gewöhnlicher Film.

    Regisseurin Mascha Schilinski erzählt nicht linear, nicht brav von A nach B.

    Stattdessen setzt sie Bilder, Geräusche und Erinnerungen wie Mosaiksteine zusammen – und plötzlich merkt man: Das Ganze wirkt mehr wie ein Traum als wie eine Chronik.

    Innenraum eines alten Arthouse-Kinos bei Nacht, Silhouetten des Publikums, Lichtstrahl des Projektors im Staub, warme orangefarbene Lichter am Gang.

    Wir begegnen Alma in den 1910er Jahren.

    Ein Mädchen, das erfährt, dass sie nach ihrer verstorbenen Schwester benannt wurde.

    Von Anfang an lebt sie also mit dem Gefühl, nicht sie selbst zu sein – sondern eine Art Wiederholung.

    Dann Erika in den 1940ern.

    Sie entwickelt eine irritierende, beinahe unheimliche Faszination für ihren kriegsversehrten Onkel.

    Hier geht es nicht um Liebe im romantischen Sinn, sondern um ein Begehren, das mit Schmerz und Scham verknüpft ist.

    In den 1980er Jahren, mitten in der DDR, taucht Angelika auf.

    Sie wirkt wie gefangen: Todessehnsucht im Blick, Enge in den Räumen, eine Atmosphäre, die an Übergriff und Gewalt denken lässt, ohne es je klar auszusprechen.

    Auf einem Polaroid verschwindet sie – offiziell, weil sie „in den Westen geflüchtet“ sei.

    Aber das Bild sagt etwas anderes: ein Loch, ein Schweigen.

    Und schließlich Nelly, ein Mädchen von heute.

    Sie ist nicht einmal Teil der Familie, sondern Kind einer hippen Berliner Familie.

    Doch sie wächst auf demselben Hof auf.

    In Träumen spürt sie die Last der Vergangenheit, die eigentlich gar nicht ihre ist.

    Ihre Begegnung mit Kaya, einer Freundin, die offen den Tod der Mutter betrauert, macht den Unterschied sichtbar: Da, wo echte Trauer möglich ist, kann Heilung beginnen.

    Da, wo Schweigen herrscht, wandert das Unsagbare weiter.

    Der Film springt zwischen den Zeiten.

    Geräusche tauchen auf, die keine klare Quelle haben.

    Fotos verschwimmen.

    Räume wirken wie belebt von Geistern.

    Alles deutet darauf hin: Was nicht ausgesprochen wird, verschwindet nicht.

    Es bleibt – im Ort, im Körper, in den nächsten Generationen.

    Und genau hier liegt die eigentliche Wucht von In die Sonne schauen.

    Er zeigt nicht nur Figuren, er zeigt ein ganzes Familiensystem – mit all seinen blinden Flecken.

    Der Hof als Hauptfigur

    Manchmal wirkt es so, als wäre die eigentliche Hauptfigur von In die Sonne schauen gar kein Mensch, sondern der Ort selbst.

    Der alte Vierseithof in der Altmark.

    Über mehr als hundert Jahre bleibt er unverändert stehen.

    Während die Generationen wechseln – Alma, Erika, Angelika, Nelly – bleibt der Hof derselbe.

    Die Mauern knarren, die Böden ächzen, die Fotos an den Wänden vergilben.

    Alles trägt Spuren derer, die dort gelebt haben.

    Doch das Entscheidende ist: Der Hof bewahrt das, was nicht ausgesprochen wird.

    Er ist wie ein Speicher für Geschichten, die nicht erzählt werden dürfen.

    Für Gefühle, die niemand fühlt.

    Für Geheimnisse, die nie ans Licht kommen.

    Ein dumpfes Geräusch, das immer wieder ertönt – wie ein ferner Einschlag, wie ein Beben – wirkt fast so, als käme es direkt aus den Wänden.

    Als wollte der Hof selbst erinnern: Hier ist etwas geschehen. Schaut hin.

    In der Psychologie sprechen wir manchmal davon, dass Orte Erinnerungen tragen.

    Ein Zimmer, in dem nie gelacht wurde.

    Ein Tisch, an dem nur gestritten wurde.

    Ein Foto, das immer eine Lücke zeigt.

    Solche Dinge wirken auf Kinder – auch wenn niemand je ein Wort sagt.

    Genau das macht der Film sichtbar: Der Hof ist mehr als Kulisse.

    Er ist Resonanzraum.

    Alles, was die Familie verschweigt, bleibt in ihm gespeichert – und springt auf die nächste Generation über.

    Und damit öffnet der Film die große Frage: Wie viel Last tragen wir eigentlich von Orten, an denen wir leben – und von Geschichten, die wir gar nicht selbst erlebt haben?

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    Es zeigt dir, wie vielfältig systemisches Denken ist und wie du damit auch die verborgenen Dynamiken deiner eigenen Geschichte besser verstehen kannst.

    Weitwinkelaufnahme eines alten Vierseithofs in der Altmark, verwitterte Backsteine, leichter Nebel, dramatischer Himmel, ein orangefarbenes Tuch hängt auf der Leine.

    Trauma, das weiterlebt – von Alma bis Nelly

    Was der Film auf schmerzhafte Weise deutlich macht: Nicht das Trauma selbst wird vererbt – sondern das Schweigen darüber.

    Bei Alma beginnt es mit der unaufgelösten Trauer um ihre verstorbene Schwester. 

    Statt dass der Verlust betrauert wird, wird er konserviert: im Namen, in Fotos, in Ritualen.

    So wächst Alma mit einer Identität auf, die von Anfang an fremd ist.

    Erika trägt das Echo des Krieges.

    Die Gewalt und der Verlust der Zeit werden nicht besprochen, sondern tauchen in einer verdrehten Form wieder auf: Sexualität wird morbide, Lust und Schmerz sind untrennbar verknüpft.

    Angelika spürt die Enge der DDR, aber noch mehr die Enge ihrer Familie.

    Ihre Todessehnsucht ist Ausdruck eines Systems, in dem es keinen Raum gibt, über Gewalt oder Scham zu sprechen.

    Ihr Verschwinden auf dem Polaroid zeigt, wie ganze Menschen ausgelöscht werden, wenn die Wahrheit nicht ins Bild passen darf.

    Nelly schließlich zeigt, dass Trauma nicht nur durch Blutlinien vererbt wird.

    Auch Orte, Atmosphären, unausgesprochene Geschichten übertragen sich.

    Ihre Träume sind das Echo von dem, was nie betrauert wurde – und sie zeigt: Das Schweigen findet immer einen neuen Körper, in dem es weiterlebt.

    Die Kette ist eindeutig:

    Unausgesprochener Tod → verstörte Sexualität → Todessehnsucht → Träume der nächsten Generation.

    Jede Generation versucht, das Unsagbare zu umgehen – und gerade dadurch verstärkt sie es.

    Das Verstörende – Wenn Trauer nicht stattfindet

    Eine der bedrückendsten Botschaften von In die Sonne schauen ist: Trauer wird zwar sichtbar gemacht, aber nicht gefühlt.

    Wir sehen Fotos von den Toten.

    Wir sehen aufgestellte Körper, sogar nach ihrem Tod noch zurechtgerichtet, um ein Familienbild vollständig zu machen.

    Wir hören vom Totensonntag, der wie ein fester Feiertag begangen wird.

    Alles deutet auf eine Präsenz des Todes hin.

    Und trotzdem: Echte Trauer fehlt.

    Die Mutter lacht, wo sie eigentlich weinen müsste.

    Nicht ein sanftes, erleichterndes Lachen – sondern ein schrilles, unkontrolliertes.

    Es wirkt wie ein Schutz, wie ein Abwehrmechanismus.

    So, als würde das Unaussprechliche ins Gegenteil verkehrt, damit man es nicht spüren muss.

    Genau hier liegt das Verstörende: Der Tod ist zwar da, wird erinnert, sogar ritualisiert.

    Aber er wird nicht durchlebt.

    Er wird konserviert, eingefroren.

    Systemisch betrachtet ist das hoch brisant.

    Denn wenn ein Verlust nicht betrauert wird, dann verschwindet er nicht.

    Im Gegenteil: Er bleibt im System, als stumme Last.

    Kinder wachsen mit dem Gefühl auf, dass da etwas in der Luft liegt, das niemand benennt.

    Sie spüren den Schmerz – und dürfen ihn gleichzeitig nicht fühlen.

    Das Ergebnis: Die Trauer wandert.

    Von Alma zu Erika, von Erika zu Angelika, von Angelika zu Nelly.

    Jedes Mal in einer neuen Gestalt.

    Und genau das macht den Film so unheimlich – weil wir ahnen: Diese Dynamik gibt es nicht nur im Kino.

    Sie existiert in vielen Familien.

    Vielleicht auch in deiner.

    Viele Familien erleben genau das: Rituale ohne Gefühle, Erinnerungen ohne echte Trauer.

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    Sexualität, Tod und das Unheimliche

    Wenn du In die Sonne schauen siehst, merkst du schnell: Sexualität ist hier nie leicht, nie frei, nie unschuldig.

    Sie ist immer verknüpft mit etwas Dunklem.

    Mit Tod, mit Scham, mit Gewalt.

    Bei Erika (1940er Jahre) tritt es am deutlichsten zutage.

    Ihre Faszination für den versehrten Onkel ist keine harmlose Schwärmerei.

    Es ist ein Begehren, das aus Wunden, Macht und Verstörung geboren ist.

    Lust und Schmerz, Nähe und Bedrohung – sie verschmelzen zu einem einzigen, unheimlichen Gefühl.

    Angelika (1980er Jahre) erlebt Sexualität als Enge, als Bedrohung.

    Ihr Körper wirkt nicht wie ihr eigener.

    Es ist, als würde jede Geste, jeder Blick von außen Besitz ergreifen.

    In ihr lebt die Todessehnsucht – und genau das macht ihre Körperlichkeit so bedrückend.

    Sexualität ist hier nicht Quelle von Leben, sondern ein Ort der Auslöschung.

    Dann ein Kontrast: Nellys Eltern.

    Bei ihnen wirkt Sexualität unbeschwert, frei, beinahe selbstverständlich.

    Körperliche Nähe wird gezeigt, ohne die Last, die die Generationen zuvor begleitet.

    Man könnte denken: Endlich ein Durchbruch, endlich Freiheit.

    Und doch spürt Nelly etwas anderes.

    Ihre Träume erzählen nicht von Leichtigkeit, sondern von Unruhe.

    Vom Echo der Vergangenheit.

    Hier zeigt der Film eine bittere Wahrheit: Auch wenn die Eltern frei leben – die Geschichte verschwindet nicht einfach.

    Das Unsichtbare wirkt weiter, im Unbewussten der Kinder.

    Systemisch betrachtet ist das der Kern: Sexualität ist nicht nur privat.

    Sie ist eingebettet in Geschichte, in Familienmuster, in das, was unausgesprochen bleibt.

    Übrigens – wie du unsichtbare Familienmuster sichtbar machst und entlastest, erfährst du hier: Aufstellungen: Unsichtbare Familienmuster sichtbar machen.

    Wenn Gewalt, Scham oder Tod in der Vergangenheit unbetrauert bleiben, dann prägt das, wie später Lust, Nähe und Beziehung erlebt werden.

    Vielleicht deshalb wirkt der Film so unheimlich.

    Weil er zeigt: Dort, wo eigentlich Liebe und Lebendigkeit sein sollten, sitzt oft noch der Schatten des Todes.

    Das Ende im Sturm – Tod oder Befreiung?

    Wer den Film gesehen hat, trägt vor allem ein Bild mit nach Hause: den Sturm am Ende.

    Alma, die in die Lüfte gezogen wird.

    Ein Moment, der poetisch wirkt – und gleichzeitig verstörend.

    Doch was bedeutet dieses Bild?

    Man könnte es als Tod lesen.

    Alma wird ausgelöscht, wie schon ihre Schwester vor ihr.

    Das Schweigen der Familie, die fehlende Trauer, die verdrängten Geschichten – sie alle kulminieren in dieser Szene.

    Das Wegfliegen ist dann nicht Befreiung, sondern der Ursprung des Traumas.

    Der Punkt, an dem alles beginnt.

    Man könnte es aber auch als Befreiung deuten.

    Der Sturm, so unheimlich er ist, wirkt auch wie eine Erlösung.

    Alma erhebt sich aus der Schwere, die sie ein Leben lang begleitet.

    Sie wird leicht, fast wie ein Geist, der sich losmacht von all den Erwartungen, die auf ihr lasten.

    Vielleicht liegt die Wahrheit genau in dieser Doppeldeutigkeit.

    Der Film zwingt uns, beides zuzulassen: Tod und Befreiung.

    Zerstörung und Transformation.

    Systemisch gedacht passt das perfekt.

    Denn so funktioniert Trauma im Leben: Es hat immer zwei Gesichter.

    Es kann lähmen – oder, wenn es angeschaut wird, zur Quelle von Veränderung werden.

    Und hier zeigt sich auch die eigentliche Kraft des Titels: In die Sonne schauen.

    Wer in die Sonne blickt, sieht das, was kaum auszuhalten ist.

    Aber genau darin liegt die Chance.

    Nur wer hinsieht, kann frei werden.

    Wer wegschaut, wiederholt die Geschichte.

    Das Ende ist also weniger eine Antwort als eine Einladung: Wie deutest du es? Siehst du den Tod? Oder siehst du die Befreiung?

    Systemische Lehre – Was Familien (und wir alle) daraus lernen können

    Der Film endet, aber das Thema bleibt.

    In die Sonne schauen ist nicht nur ein kunstvolles Drama, sondern fast wie eine Lehrstunde in systemischer Psychologie – ohne jemals belehrend zu wirken.

    Die Botschaft ist klar: Was nicht betrauert wird, verschwindet nicht.

    Doppelbelichtung einer jungen Frau mit überlagerten alten Fotos, unscharfe Ränder, golden-orangefarbener Lichtschein durchzieht das Bild, poetisch und geheimnisvoll.

    In jeder Generation sehen wir, wie das Schweigen stärker wirkt als das eigentliche Ereignis.

    • Ein Kind, das nach der verstorbenen Schwester benannt wird.
    • Ein Foto, auf dem jemand einfach fehlt.
    • Eine Mutter, die lacht statt zu weinen.
    • Ein Geräusch, das immer wieder auftaucht, ohne dass jemand erklärt, woher es kommt.

    All das sind Signale dafür, dass etwas unausgesprochen bleibt.

    Und genau das ist es, was die Kinder übernehmen.

    Nicht die Tatsachen selbst, sondern die Leerstelle darum.

    Systemisch betrachtet heißt das: Familien geben nicht nur Geschichten weiter, sondern auch ihre blinden Flecken.

    Und die nächste Generation versucht dann, dieses Unsichtbare irgendwie sichtbar zu machen – durch Träume, Symptome, unheimliche Gefühle.

    Vielleicht erkennst du das auch aus deinem eigenen Leben: Manche Spannungen spüren wir, ohne sie erklären zu können.

    Wir übernehmen Muster, die nicht unsere eigenen sind.

    Wir tragen Ängste, die gar nicht zu unserer Biografie passen.

    Der Film macht sichtbar, was in der Therapie immer wieder Thema ist: Schweigen ist keine Lösung.

    Nur das, was ausgesprochen und betrauert wird, verliert seine Macht.

    Und genau hier schließt sich die Brücke zum systemischen Arbeiten: Es geht nicht darum, Schuldige zu finden.

    Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen.

    Die Geschichten hinter den Geschichten zu sehen.

    Und den Mut zu entwickeln, auch dorthin zu schauen, wo es weh tut.

    So wird In die Sonne schauen zu mehr als einem Film.

    Er ist ein Spiegel.

    Und vielleicht die Einladung, auch die eigene Familiengeschichte einmal mit neuen Augen zu betrachten.

    Übertragung ins Heute

    Vielleicht fragst du dich jetzt: Schön und gut – aber was hat das mit mir zu tun?

    Mehr, als du vielleicht denkst.

    Denn die Themen, die In die Sonne schauen so poetisch und zugleich verstörend zeigt, tauchen auch in unserem Alltag auf.

    Nicht unbedingt in Form von Stürmen, Polaroids oder lauten Geräuschen – sondern in kleinen, stillen Mustern.

    Vielleicht kennst du das Gefühl, dass du in Situationen reagierst, ohne zu verstehen warum.


    Vielleicht erlebst du, dass Konflikte immer wiederkehren, auch wenn du sie längst „hinter dir gelassen“ glaubst.


    Vielleicht trägst du eine Schwere in dir, die gar nicht zu deinem eigenen Leben passt.

    Genau so funktioniert transgenerationales Trauma: Es wirkt weiter, solange niemand hinsieht.

    Das heißt nicht, dass wir alle in tragischen Familiengeschichten gefangen sind.

    Es heißt vielmehr: Wir haben die Chance, die Kette zu unterbrechen.

    Systemische Arbeit lädt dazu ein, Muster sichtbar zu machen.

    Nicht, um Schuld zu verteilen, sondern um zu verstehen:

    • Welche Geschichten wurden in meiner Familie nie erzählt?
    • Welche Gefühle hatten keinen Platz?
    • Wo wurde geschwiegen, gelacht, abgewiegelt – statt wirklich zu trauern?

    Wenn du beginnst, diese Fragen zu stellen, öffnet sich ein neuer Raum.

    Ein Raum, in dem du nicht länger nur Wiederholung bist, sondern Gestalter:in.

    Und genau hier liegt die eigentliche Kraft: In die Sonne schauen heißt, das auszuhalten, was weh tut – um frei zu werden.

    👉 In die Sonne schauen macht sichtbar, was geschieht, wenn niemand hinsieht.

    Du kannst das anders machen – für dich, für deine Familie, für deine Arbeit.

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    Fazit & Botschaft

    In die Sonne schauen ist kein leichter Film.

    Er ist rätselhaft, beklemmend, manchmal schwer zu ertragen.

    Und genau deshalb so wertvoll.

    Denn er macht sichtbar, was wir im Alltag oft übersehen: Familiengeschichten enden nicht mit einer Generation.

    Das, was nicht ausgesprochen, nicht betrauert, nicht gefühlt wird, verschwindet nicht – es wandert weiter.

    Mal als Traum.

    Mal als Schwere.

    Mal als unerklärliche Enge in Beziehungen.

    Der Film zeigt das in poetischen, verstörenden Bildern.

    Und er hält uns damit einen Spiegel vor:

    • Wo in meiner eigenen Geschichte gibt es blinde Flecken?
    • Welche Trauer wurde in meiner Familie nie gelebt?
    • Welche Last trage ich vielleicht, ohne dass sie zu mir gehört?

    Die systemische Lehre daraus ist einfach – und gleichzeitig eine Lebensaufgabe: Nur wenn wir hinschauen, können wir frei werden.

    Und vielleicht ist genau das die Einladung des Films: Nicht wegsehen, nicht abwarten, nicht auf die nächste Generation hoffen.

    Sondern jetzt den Mut finden, in die Sonne zu schauen – und dadurch etwas zu verändern.

    Zusammenfassung

    Warum solltest du diesen Artikel lesen – und den Film vielleicht sogar selbst sehen?
    Weil In die Sonne schauen weit mehr ist als Kino.

    Er zeigt auf bedrückend schöne Weise, wie Familien über Generationen hinweg von dem geprägt werden, worüber niemand spricht.

    Und er lädt dich ein, das auch in deinem eigenen Leben ernst zu nehmen: Welche Geschichten fehlen? Welche Gefühle wurden weggeschoben? Welche Muster wiederholen sich?

    Der Nutzen für dich: Wenn du diese Fragen stellst, bekommst du neue Klarheit.

    Du kannst dich von Lasten befreien, die gar nicht deine sind.

    Und du entdeckst, wie systemisches Denken dir dabei helfen kann, Zusammenhänge zu erkennen, statt dich darin zu verlieren.

    Wenn dich dieser Blick überzeugt und du systemischer arbeiten willst: Die Ausbildung am ISPF – systemisch, praxisnah, persönlich.

    Fragen und Antworten

    Worum geht es im Film In die Sonne schauen?

    Der Film erzählt die Geschichten von vier Generationen auf einem Hof in der Altmark. Er zeigt, wie verdrängte Verluste und Gewalt über Jahrzehnte hinweg wirken – nicht durch das, was gesagt wird, sondern durch das, was verschwiegen bleibt.

    Was bedeutet der Titel „In die Sonne schauen“?

    Er steht für die Konfrontation mit dem Unerträglichen – Tod, Verlust, Scham. Wer in die Sonne blickt, riskiert geblendet zu werden. Symbolisch heißt das: Nur wenn wir hinschauen, können wir frei werden.

    Wie zeigt der Film transgenerationale Traumata?

    Die Figuren tragen nicht nur ihre eigenen Schicksale, sondern auch das, was die Generationen vor ihnen nicht betrauert haben. So wiederholen sich Muster von Schweigen, Scham und Todessehnsucht – bis in die Gegenwart hinein.

    Welche Rolle spielt der Hof im Film?

    Der Hof ist mehr als eine Kulisse. Er ist ein Speicher für das Unsagbare. Geräusche, Fotos und Räume halten fest, was nicht ausgesprochen wurde – und wirken so auf jede neue Generation.

    Was können wir daraus für unser eigenes Leben lernen?

    Dass Schweigen keine Lösung ist. Unausgesprochene Gefühle wirken weiter – in uns und in den nächsten Generationen. Systemisches Denken lädt ein, Muster sichtbar zu machen und Trauer einen Platz zu geben.

    Mehr zum Film

    Seite „In die Sonne schauen“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. September 2025, 08:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=In_die_Sonne_schauen&oldid=259364483 (Abgerufen: 2. September 2025, 14:13 UTC)

    Reaktion einer Leserin

    Auf diesen Text hat eine Leserin aufmerksam und berührt reagiert. Anne Busch hat auf ihrer Seite eine ausführliche Antwort veröffentlicht, in der sie den Blick vom individuellen Erleben auf die größeren gesellschaftlichen Strukturen richtet.

    Sie beschreibt, dass Gewalt, Entfremdung und Trauma nicht nur innerhalb von Familien, sondern tief in unsere kulturellen und historischen Wurzeln eingeschrieben sind – in patriarchale Machtverhältnisse, Besitzdenken und die Logik des Kapitalismus. Ihr Text zeichnet nach, wie sich über Jahrtausende ein Muster von Kontrolle, Entfremdung und Verlust mütterlicher Werte entwickelt hat, das bis heute unser Zusammenleben prägt.

    Ich finde ihre Perspektive spannend, weil sie den systemischen Gedanken noch einmal erweitert: weg vom Inneren einzelner Menschen oder Familien, hin zu der Frage, in welchen Strukturen wir überhaupt leben – und wie diese Strukturen unser Fühlen, Handeln und Lieben beeinflussen.

    Wer die ganze Replik lesen möchte, findet sie hier:
    → Reaktion von Anne Busch auf „In die Sonne schauen“

    Über den Autor

    Stefan Brandt, Diplom-Psychologe
    stefan.brandt@ispf-hamburg.de | Web |  + posts

    Stefan Brandt ist Diplom-Psychologe und systemischer Therapeut. Er begleitet Menschen in persönlichen Krisen, unterstützt Paare in schwierigen Phasen und stärkt Führungskräfte in ihrer Rolle. Dabei verbindet er fundierte Psychologie mit einem klaren, praxisnahen Ansatz.
    Mehr zu seiner Arbeit findest du hier:

    praxis-stefanbrandt.de – Einzel- und Psychotherapie
    diepaartherapeuten.de – Paartherapie
    stefanbrandt.de – Coaching & Führung