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Angst nach Terroranschlägen – Wie wir unsere Freiheit bewahren können

    Wenn Terroranschläge die Nachrichten beherrschen, verändert sich oft nicht nur die politische Lage – sondern auch unser inneres Erleben. Bilder von zerstörten Orten, verletzten Menschen und verzweifelten Angehörigen lösen Betroffenheit, Trauer und Unsicherheit aus. Viele Menschen stellen sich plötzlich Fragen, die vorher weit entfernt schienen:

    Kann mir das auch passieren? Ist ein Konzert noch sicher? Kann ich unbesorgt mit der U-Bahn fahren oder einen Weihnachtsmarkt besuchen?

    Diese Gedanken sind zutiefst menschlich. Terrorismus zielt nicht nur auf seine unmittelbaren Opfer, sondern auch auf das Sicherheitsgefühl einer ganzen Gesellschaft. Angst wird dabei zur eigentlichen Waffe der Täter. Gleichzeitig zeigen Studien, dass die gefühlte Bedrohung nach Anschlägen häufig deutlich größer ist als das tatsächliche persönliche Risiko.

    Gerade deshalb stellt sich eine entscheidende Frage:

    Wie können wir achtsam bleiben, ohne unser Leben von Angst bestimmen zu lassen?

    Wenn Angst unseren Alltag erreicht

    Nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 suchten viele Menschen nach Orientierung. Die Zeitschrift Brigitte sprach damals mit unserer Kollegin und Therapeutin Ursula Böhm über den Umgang mit dieser Form der Angst.

    Das vollständige Interview können Sie hier lesen:

    BRIGITTE-Interview: „Wie gehe ich jetzt mit meiner Terror-Angst um?“

    Die Gedanken daraus sind heute genauso aktuell wie damals.

    Es kann überall passieren – und genau das macht Angst

    Eine der ersten Reaktionen nach einem Anschlag lautet häufig:

    „Das hätte auch ich sein können.“

    Ursula Böhm empfiehlt, diese Tatsache nicht zu verdrängen, sondern sie zunächst anzuerkennen.

    Ja – schwere Gewalttaten können an öffentlichen Orten stattfinden. In Großstädten ebenso wie auf Reisen, bei Veranstaltungen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

    Diese Realität wegzudiskutieren hilft nicht.

    Aber ebenso wenig hilft es, sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.

    Reale Angst und irrationale Angst unterscheiden

    Ein wichtiger Gedanke aus dem Interview ist die Unterscheidung zwischen realer und gefühlter Gefahr.

    Reale Angst entsteht, wenn wir uns tatsächlich in einer akuten Bedrohung befinden. Sie aktiviert unsere Kräfte, hilft uns schnell zu handeln und schützt unser Leben.

    Ganz anders verhält es sich mit der Angst, die durch Nachrichten, Bilder und ständige Berichterstattung entsteht.

    Obwohl sie sich oft genauso intensiv anfühlt, befinden wir uns im Moment des Lesens oder Fernsehens meist nicht in einer unmittelbaren Gefahr.

    Sich diesen Unterschied bewusst zu machen, kann helfen, das eigene Erleben besser einzuordnen.

    Terror will unser Verhalten verändern

    Terrorismus verfolgt nicht nur das Ziel, Menschen zu verletzen.

    Er soll Unsicherheit erzeugen.

    Er soll dazu führen, dass Menschen Veranstaltungen meiden, Reisen absagen, anderen misstrauen und ihre Freiheit einschränken.

    Genau deshalb sagt Ursula Böhm etwas, das bis heute nachdenklich stimmt:

    Wer sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückzieht, überlässt den Tätern einen Teil ihres Ziels.

    Das bedeutet nicht, leichtsinnig zu werden.

    Es bedeutet, Angst nicht die Entscheidung über das eigene Leben überlassen zu wollen.

    Achtsam statt ängstlich

    Zwischen Naivität und Panik gibt es einen gesunden Mittelweg.

    Achtsamkeit bedeutet,

    • aufmerksam zu bleiben,
    • Informationen kritisch zu prüfen,
    • auf das eigene Bauchgefühl zu hören,
    • und gleichzeitig das Leben nicht aufzugeben.

    Diese Haltung stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

    Denn wir können nicht alle Risiken ausschließen.

    Aber wir können entscheiden, wie wir ihnen begegnen.

    Was tun, wenn die Angst bleibt?

    Nicht jeder Mensch verarbeitet belastende Ereignisse gleich.

    Manche Menschen können nach kurzer Zeit wieder ihren Alltag aufnehmen. Andere entwickeln anhaltende Ängste, Schlafprobleme oder vermeiden bestimmte Orte.

    Gerade Menschen, die bereits unter einer Angststörung leiden, können durch Terroranschläge zusätzlich belastet werden. In solchen Fällen ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Ursula Böhm weist deshalb darauf hin, dass Betroffene psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen sollten, wenn die Angst den Alltag dauerhaft bestimmt.

    Was wir aus systemischer Sicht lernen können

    Aus systemischer Perspektive entsteht Sicherheit nicht nur durch äußere Umstände.

    Sie entsteht auch durch Beziehungen, Vertrauen und die Erfahrung, mit schwierigen Situationen nicht allein zu sein.

    Gespräche mit anderen Menschen, ein realistischer Blick auf die tatsächliche Gefährdung und der bewusste Umgang mit Nachrichten können helfen, die eigene innere Stabilität zu bewahren.

    Angst verschwindet nicht dadurch, dass wir sie ignorieren.

    Aber sie verliert an Macht, wenn wir sie verstehen und ihr nicht erlauben, unser Leben vollständig zu bestimmen.

    Unser Fazit

    Die Worte von Ursula Böhm erinnern daran, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben.

    Mut bedeutet, trotz der Angst handlungsfähig zu bleiben.

    Terror soll Menschen verunsichern und Gesellschaften spalten. Gerade deshalb ist es wichtig, achtsam zu leben, füreinander Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig nicht auf das zu verzichten, was unser Leben lebenswert macht: Begegnungen, Freiheit und Vertrauen.

    Wenn Sie das vollständige Gespräch mit Ursula Böhm lesen möchten, finden Sie es hier:

    Zum vollständigen Interview bei BRIGITTE

    Über die Autorin / den Autor

    Stefan Brandt, Diplom-Psychologe
    stefan.brandt@ispf-hamburg.de | Web |  + posts

    Stefan Brandt ist Diplom-Psychologe und systemischer Therapeut. Er begleitet Menschen in persönlichen Krisen, unterstützt Paare in schwierigen Phasen und stärkt Führungskräfte in ihrer Rolle. Dabei verbindet er fundierte Psychologie mit einem klaren, praxisnahen Ansatz.
    Mehr zu seiner Arbeit findest du hier:

    praxis-stefanbrandt.de – Einzel- und Psychotherapie
    diepaartherapeuten.de – Paartherapie
    stefanbrandt.de – Coaching & Führung