Viele Paare kommen in die Therapie mit dem gleichen Wunsch:
„Wir möchten wieder besser miteinander reden.“
Doch häufig zeigt sich schon nach kurzer Zeit, dass das eigentliche Problem gar nicht die Kommunikation ist. Die Worte sind nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist die Frage:
Erreichen sich die Partner emotional überhaupt noch?
Denn eine Beziehung lebt nicht allein davon, Konflikte zu lösen oder den Alltag zu organisieren. Sie lebt davon, dass zwei Menschen sich gesehen, verstanden und emotional sicher fühlen. Genau hier setzt die Emotionsfokussierte Paartherapie (Emotionally Focused Therapy, EFT) an – ein therapeutischer Ansatz, der heute weltweit zu den am besten erforschten Methoden der Paartherapie gehört.
Ein Buch, das diesen Ansatz praxisnah und fundiert vermittelt, ist „Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie – Verbindungen herstellen“ von Sue Johnson.
Warum Liebe vor allem ein Bindungsthema ist
Lange Zeit wurde angenommen, Bindung sei vor allem für Kinder wichtig. Heute wissen wir aus der Bindungsforschung etwas anderes:
Auch Erwachsene brauchen sichere Bindungen.
Das Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden. Im Gegenteil: Gerade in einer Partnerschaft wünschen wir uns einen Menschen, bei dem wir uns angenommen, verstanden und getragen fühlen.
Wenn dieses Gefühl verloren geht, reagieren viele Paare mit Rückzug, Vorwürfen oder endlosen Diskussionen.
Nicht, weil sie sich nicht mehr lieben.
Sondern weil sie sich nicht mehr sicher fühlen.
Hinter jedem Streit steckt oft dieselbe Frage
Wer Paaren aufmerksam zuhört, erkennt schnell ein wiederkehrendes Muster.
Die Themen wechseln:
- Haushalt
- Kinder
- Geld
- Sexualität
- Freizeit
- Schwiegereltern
Doch unter der Oberfläche geht es oft um ganz andere Fragen:
- Bin ich dir wichtig?
- Kann ich mich auf dich verlassen?
- Siehst du, wie es mir geht?
- Bleibst du bei mir, wenn ich verletzlich bin?
Sue Johnson beschreibt diese emotionalen Bindungsbedürfnisse als den eigentlichen Motor vieler Beziehungskonflikte.
Verstehen Paare diese Dynamik, verändert sich häufig der gesamte Blick auf ihre Beziehung.
Gefühle sind keine Störung – sie sind der Weg
Während viele Therapieverfahren vor allem Gedanken oder Verhaltensweisen in den Mittelpunkt stellen, richtet die Emotionsfokussierte Paartherapie den Blick auf das emotionale Erleben.
Denn Gefühle sind nicht das Problem.
Sie sind häufig der Schlüssel zur Lösung.
Wenn Partner lernen, ihre Angst, Verletzlichkeit oder Sehnsucht offen auszudrücken, entstehen oft Gespräche, die vorher unmöglich schienen.
Aus gegenseitigen Vorwürfen wird Verständnis.
Aus Verteidigung wird Nähe.
Aus Distanz entsteht wieder Verbindung.
Wissenschaftlich hervorragend untersucht
Die Emotionsfokussierte Paartherapie gehört heute zu den am besten wissenschaftlich untersuchten Verfahren der Paartherapie. Zahlreiche Studien zeigen, dass rund 70 bis 75 Prozent der Paare nach einer EFT-Behandlung ihre Beziehungsprobleme deutlich verbessern und etwa 90 Prozent von spürbaren positiven Veränderungen berichten. Besonders bemerkenswert ist, dass die erreichten Veränderungen häufig auch langfristig stabil bleiben.
Diese Wirksamkeit erklärt, warum EFT heute international in vielen Ländern gelehrt und angewendet wird.
Warum uns dieser Ansatz besonders überzeugt
Als systemisch arbeitende Therapeutinnen und Therapeuten schätzen wir besonders, dass Sue Johnson keine Gegensätze zwischen Beziehungsmustern und innerem Erleben aufmacht.
Im Gegenteil.
Die Emotionsfokussierte Paartherapie verbindet unterschiedliche Perspektiven auf überzeugende Weise:
- Erkenntnisse der Bindungsforschung,
- moderne Emotionspsychologie,
- neurobiologische Forschung,
- systemisches Denken
- und konkrete therapeutische Interventionen.
Gerade diese Verbindung macht den Ansatz so wertvoll.
Denn systemische Muster entstehen nicht losgelöst von den Gefühlen der Beteiligten.
Und Gefühle entfalten ihre Wirkung immer innerhalb einer Beziehung.
Ein Buch voller Praxis
Das Buch beschränkt sich nicht auf theoretische Modelle.
Sue Johnson beschreibt anhand zahlreicher Fallbeispiele, wie Paare Schritt für Schritt dabei unterstützt werden können, ihre negativen Interaktionsmuster zu erkennen und durch neue emotionale Erfahrungen zu ersetzen.
Besonders hilfreich sind die vielen konkreten Interventionen, Gesprächssequenzen und therapeutischen Überlegungen, die sich unmittelbar in der Praxis einsetzen lassen.
Dadurch eignet sich das Buch sowohl für erfahrene Paartherapeutinnen und Paartherapeuten als auch für Menschen, die ihre eigene Beziehung besser verstehen möchten.
Unsere Buchempfehlung
„Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie – Verbindungen herstellen“ gehört für uns zu den wichtigsten Büchern moderner Paartherapie.
Besonders beeindruckt hat uns, wie konsequent Sue Johnson die systemische Sichtweise mit der Bindungsforschung und dem emotionalen Erleben verbindet. Das Buch macht deutlich, dass gelingende Beziehungen nicht in erster Linie durch perfekte Kommunikation entstehen, sondern durch das Gefühl, den anderen emotional zu erreichen und selbst erreichbar zu sein.
Wer mit Paaren arbeitet oder verstehen möchte, warum Liebe manchmal trotz guter Absichten scheitert und wie emotionale Sicherheit wieder entstehen kann, findet in diesem Buch eine wissenschaftlich fundierte und zugleich ausgesprochen praxisnahe Orientierung.
Unser Buchtipp:
Sue M. Johnson, T. Kierdorf & H. Höhr (2010): Praxis der Emotionsfokussierten Paartherapie – Verbindungen herstellen. Jungfermann Verlag. https://buchhandlung-christiansen.buchhandlung.de/shop/article/44125349/sue_johnson_praxis_der_emotionsfokussierten_paartherapie.html
Ein persönlicher Hinweis: Wir verlinken unsere Buchtipps bewusst auf die Buchhandlung Christiansen. Uns ist es wichtig, unabhängige Buchhandlungen zu unterstützen. Das Schöne: Du kannst dein Buch dort genauso einfach online bestellen wie bei den großen Versandhändlern und bekommst es in der Regel versandkostenfrei nach Hause geliefert.
Über die Autorin / den Autor
Diplom-Pädagogin mit Schwerpunkt Systemische Einzel-, Paar- und Familientherapie sowie Supervisorin. Seit 1999 in eigener Praxis tätig. Sie begleitet Einzelne, Paare, Familien und Teams in Veränderungsprozessen und bringt ihre langjährige Erfahrung zudem in Supervision, Paarseminaren und systemischen Familienaufstellungen ein.
